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Zur Entstehung der Schul- und Hausordnung

Erfahrungsbericht
"Eine Grund- und Hauptschule auf dem Weg zum Sozialen Lernen"

 

"Wir wollen aufstehen, aufeinander zu gehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen..."

 

Diese Liedzeilen wurden vor zwei Schuljahren der Auftakt zu einer Reihe verschiedenartiger Schritte, die inzwischen im Schulcurriculum der Georg-Hager-Schule Mundelsheim verankert sind.

 

Die Georg-Hager-Schule ist eine Grund- und Hauptschule mit rund 250
Schülerinnen und Schülern, in der Nähe der Schillerstadt Marbach/Neckar inmitten von Weinbergen gelegen. Schon in den vergangenen Jahren haben die Kolleginnen und Kollegen der Georg-Hager-Schule keine Gelegenheit versäumt, Schülerinnen und Schüler zu einem fairen und positiven Zusammenleben zu erziehen. Als 2002 ein Wechsel in der Schulleitung anstand, wurde der Wunsch nach einer neuen Schul- und Hausordnung laut, auch um im Kollegium mehr Konsens herzustellen und gemeinsam erzieherischen Herausforderungen angemessen begegnen zu können. Ein Pädagogischer Tag unter Leitung eines Schulpsychologen wurde von allen Beteiligten genutzt, um eine erste Ist-Standserhebung durchzuführen und weitere Zielvorstellungen zu konkretisieren. Leitfragen hierbei waren:

 

  • Was läuft bereits positiv an unserer Schule?
  • Was möchten wir ändern oder verbessern? Und
  • wie gelingt uns dies?

 

Nach weiteren Arbeitssitzungen und in Zusammenarbeit mit der Schülermitverantwortung sowie den Eltern, wurde eine neue Schul- und Hausordnung erstellt. Achtung, Wertschätzung, Toleranz und weitere Inhalte, die das Zusammenleben gelingen lassen, sollten künftig nicht allein über das geschriebene Wort vermittelt werden. Mit einer Feier in der Schulaula, bei der alle Schülerinnen und Schüler der Klasse 1 bis 9 versammelt waren, wurde unsere neue Schul- und Hausordnung ins Leben berufen. Miteinander singend (siehe oben) und pantomimischen Szenen zum Umgang miteinander folgend, erlebten wir die Inhalte. Inzwischen ist unsere Schul- und Hausordnung ein grundlegender Baustein innerhalb des Schulcurriculums. Die konsequente und verbindliche Umsetzung wird immer wieder neu in Erinnerung gerufen. "Wir wollen aufstehen, aufeinander zu gehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen..."

 

Unmut oder Enttäuschung herrschte teilweise unter den Lehrerinnen und Lehrern über manche Arbeitshaltung unserer Schüler, wie zum Beispiel das Fehlen von Unterrichts-materialien. In der Ausarbeitung unseres Schulcurriculums war uns wichtig, dies - positiv formuliert - als Basiskompetenzen unserer Schülerinnen und Schüler aufzunehmen. Das soziale Lernen schließt jeden jungen Menschen als Persönlichkeit mit ein. An konkreten Beispielen, aber auch über jeweilige Klassenregeln, die altersgemäß mit den Kindern bzw. Jugendlichen erarbeitet werden, wird versucht, ein gelingendes Miteinander zu ermöglichen. Gemeinsam handeln macht stark wurde zur Leitidee. Im Mundelsheimer Wappen ist eine Hand abgebildet. Sie wurde zum Symbol für unser gemeinsames Anpacken. An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass auch die gute und tatkräftige Arbeit, die unser Hausmeister leistet, sich sehr positiv auf unser Miteinander und das Klima an unserer Schule auswirkt. Die Arbeit unserer kompetenten Sekretärin, die stets freundlich und zugewandt allen Schülerinnen, Schülern, Eltern und Lehrkräften begegnet, ist ebenfalls herausragend.

 

Gemeinsam handeln macht stark - dazu gehören in Mundelsheim insbesondere Feste und Feiern sowie Kooperationen mit örtlichen Vereinen. Von großer Bedeutung sind beispielsweise die Schach-AG, das Musik-Projekt in Kooperation mit dem ortsansässigen Männerchor und unsere Chor-/Orchester-AG der Grundschule. Darüber hinaus ermöglichen jahrgangsübergreifende Projekte (Apfeltage, Lesungen, Märchenprojektwoche, Astrid-Lindgren-Projekt), dass das soziale Lernen im Schulalltag vielfältig und in bestimmten Situationen in besonderer, herausgehobener Weise verankert ist.

 

Weitere Beispiele, die soziales Lernen in der Grund- und Hauptschule ermöglichen sind:

  • Singen im Advent
    In der Adventszeit versammeln sich alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 1 bis 9, einschließlich unserer Leseklasse, in unserer Schulaula, um bei Lied und Gedicht im Schulalltag inne zu halten.
  • Ökumenische Schulgottesdienst in der Zeit nach Ostern
    Große und Kleine in der Schule kommen unter besonderer Zielsetzung und in einem besonderen Rahmen wie der Kirche zusammen.
  • "Kindern Zeit lassen - Lehrerinnen und Lehrern Zeit geben"
    Diese Aussage von Prof. Dr. Wulf Wallrabenstein wurde ebenfalls als Baustein in unser Schulcurriculum aufgenommen. Kolleginnen und Kollegen besuchten gemeinsame eine Fortbildungsveranstaltung zum o.g. Thema, die die gemeinsame Arbeit an unserer Schule inspirierte.
  • Elternarbeit
    Dieser Baustein gliedert sich in die vier Unterpunkte Transparenz, Zusammenarbeit, Aktivitäten, Gesundheit.. Diese Aspekte wurden in einer Arbeitssitzung zusammen mit Eltern ausformuliert und als Baustein in der Schulkonferenz verabschiedet.
  • Vorträge
    Eine positive Resonanz bei unseren Eltern sowie innerhalb der Kooperation mit den ortsansässigen Kindergärten fanden auch Vorträge, wie zuletzt zum Thema "Unruhe und Ängste bei Kindern" aus Sicht eines Kinder- und Jugendpsychotherapeuten.
  • Authentisches Lernen durch Realbegegnungen
    Exemplarisch kann hier der Waldeinsatz von Hauptschülern genannt werden, die zusammen mit dem Vorstand eines NABU-Ortsvereins Nistkästen säuberte. Innerhalb des Berufswahlunterrichts in Klasse 8 war ein Knigge-Seminar des Projekts "Stufen zum Erfolg" der Wirtschaftsjunioren Ludwigsburg ebenfalls dem personalen und sozialen Lernen förderlich. Auch die Polizei zählte immer wieder zu unseren Gästen, z.B. mit ihrem Präventionsprojekt "Herausforderung Gewalt." Im vergangenen Jahr war eine Zeitzeugin und Holocaust-Überlebende, Frau Sara Atzmon, in unserer Schule und führte mit der 9. Klasse einen ganz besonderen Geschichte-Kunst-Projekttag durch.
  • Patenschaft der Schülermitverantwortung (SMV)
    Seit diesem Schuljahr hat sich unsere Schülermitverantwortung entschlossen, eine Patenschaft für ein Mädchen in Bolivien zu übernehmen. Die Klassen 7 bis 9 spenden dafür freiwillig und setzen sich auch im Unterricht mit den Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen in aller Welt auseinander.

 

Vor kurzem führten wir mit unserer Nachbar- und Partnerschule, der GHS Hessigheim, eine gemeinsame schulinterne Lehrerfortbildung (SCHILF) zum Sozialen Lernen durch. Unterstützt durch zwei Pädagogische Beraterinnen des Staatlichen Schulamtes Ludwigsburg, konkretisierten wir soziales Lernen im Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur (MeNuK) durch das FAUSTLOS-Curriculum oder durch Projekte wie "Fit und stark fürs Leben" (siehe hierzu Handreichung "Soziale Kompetenz im Kontext der Gewaltprävention" - MKJS).

 

Soziales Lernen findet auch in alltäglichen Unterrichtsstunden statt. Unsere Grundwerte und Leitideen, wie gegenseitige Achtung, Respektierung der Einmaligkeit jedes Einzelnen, aber auch Hinführung zum Gemeinsinn, zur Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft, werden in Mathematik-, Deutsch- oder Englischstunden gleichermaßen gelehrt und gelernt. Jedoch ist es heutzutage hilfreich, dass ein faires und gutes Miteinander immer wieder neu thematisiert wird und einen besonderen Stellenwert erhält. Soziales Lernen umfasst alle Maßnahmen, die prosoziales Verhalten fördern. In gleicher Weise müssen Kinder und Jugendliche lernen, sich in den Anderen hineinzuversetzen, auch mit Frustrationen und Widerständen klar zu kommen und alltägliche Konflikte zu bewältigen. Schule ist immer "Lebens- und Erfahrungsraum" (Hartmut von Hentig).

 

Wir wollen auf diesem Weg auch künftig
"... aufstehen, aufeinander zu gehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen..."

 

Mundelsheim, im Februar 2005 - Bärbel Hetzinger